Die Texte zur Geschichte des Vereins stammen aus dem Grußwort anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Vereins von der damaligen Bezirkssporträtin Sigrid Klebba. Wir danken für die schöne Festrede und dafür, dass uns der Text zur Verfügung gestellt wurde.
Es war die Zeit der Weltwirtschaftskrisen und Massenarbeitslosigkeit. In Kreuzberg gab es eine ungeheure Bevölkerungsdichte – heute 150 000, damals 350 000 – Wohnungen waren überbelegt und es herrschten katastrophale hygienische Verhältnisse, z. B. gab es keine Bäder in den Wohnungen. Nicht nur Schwimmbäder mit ihren Wannenabteilungen hatten deshalb eine andere Bedeutung, auch der Sport war als Möglichkeit von Licht, Luft und Sonne sehr nachgefragt.
In dieser Zeit, vor fast genau 75 Jahren (Gründungsdatum des Vereins ist der 28. Juni 1931) trafen sich 40 sportbegeisterte Menschen (Turner und Handballer), hervorgegangen aus der 11. Fichte-Abteilung des ASV Fichte, in der alkoholfreien Gaststätte „Absti“ am Marheinekeplatz 4, und gründeten einen neuen Sportverein mit dem Namen „Freie Sport-Vereinigung Fichte (FSF)“.
Auf Sportplätzen und -stätten in der Mittenwalder Straße und der Katzbachstraße tummelten sich Handballer und Fußballer des Vereins. Das Vereinsleben war zu damaliger Zeit sehr intensiv, man traf sich jeden Sonntag nach dem Spiel und beteiligte sich an Wochenendfahrten und Leichtathletiksportfesten außerhalb von Berlin.
Nach zahlreichen sportlichen Erfolgen und einem aktiven und abwechslungsreichen Vereinsleben folgte der Absturz in die braune Zeit in Deutschland. Die Arbeiter-Sportverbände und –Vereine, darunter auch der FSF, wurden verboten und mussten sich auflösen. Durch das Untertauchen der aktiven Mitglieder in anderen Vereinen bzw. die Neugründung von Vereinen konnte der Sport zum Teil fortgeführt werden.
1935 wurde von den Fußballern, die in Schöneberg untergekommen waren, der Verein ein zweites mal unter dem Namen Sport-Club-Südring gegründet. Bereits 1936 stießen auch die Handballer, Turner und Leichtathleten wieder zum Verein und stärkten somit die Mitgliederzahlen. Natürlich blieb es bei den politischen Behörden nicht verborgen, dass sich zahlreiche Mitglieder der verbotenen Arbeiter-Sportvereine im Sport-Club-Südring versammelten, so dass es auch zu Verhaftungen und Repressalien einzelner Sportfreunde kam. Sportliche Erfolge konnten in der zeit 1937/38 vor allem durch die Handballmannschaften erzielt werden.
Als der Krieg begann, hatte der Verein 17 Fußball- und Handballmannschaften, die sich mit der Zeit auflösen mussten bzw. das Training und den Spielbetrieb einstellten. Damit war auch die 2. Etappe der Sportgeschichte des Sportclubs nach 10 Jahren beendet.
Mit dem Zusammenbruch nach einem entsetzlichen Krieg, in dem unzählige Menschen ihr Leben lassen mussten, die Stadt in Schutt und Asche lag, sollte man meinen, dass jahrelang wohl nicht an Sport zu denken gewesen wäre. Aber weit gefehlt – bereits im Mai 1945 fanden unter wahrlich veränderten Bedingungen auf dem Sportplatz Züllichauer Straße die ersten Fußballspiele statt.
Es wurden kommunale Sportgruppen gegründet – nach dem damals geltenden Wohnortprinzip musste jeder musste dort spielen, wo er wohnte – und kurze Zeit später wechselte die Sportgruppe Kreuzberg Süd ihren Namen in Gruppe Südring, was dem ehemaligen Namen recht nahe kam. Als es Kraft einer Verordnung der Alliierten soweit war, dass Vereine zugelassen werden konnten, war der Sport-Club Südring einer der ersten.
Nachdem sich in den 50iger Jahren nach Unstimmigkeiten die Fußballabteilung des Vereins (Trennung von bezahltem und Amateur-Fußball) im Berliner Fußball-Club Eintracht wieder fand, begann zwischen beiden Vereinen eine sehr enge Zusammenarbeit, die nach einiger Zeit doch wieder in der Vereinigung der beiden Vereine mündete. Von nun an und bis heute trägt der Verein den Namen BSC Eintracht/Südring 1931 e.V. Diese Vereinigung erklärt den Schrägstrich im Vereinsnamen.
Mit der einsetzenden Zuwanderung der Arbeitsmigranten aus der Türkei öffnete sich der Verein auch dieser Zielgruppe. Fußball verbindet – wer erlebt das nicht in diesen Tagen - 35 % der Vereinsfußballer sind nichtdeutscher Herkunft. „Die Welt zu Gast bei Freunden“ ist das eine, aber die Bewältigung von Integration im Alltag das andere. Für diese Jugendarbeit – gemeinsam mit Schule – im Geiste von Respekt, Anerkennung und das Unterschiedliche nicht zum Trennenden werden zu lassen dankt der Bezirk ganz besonders.
Eine Vorreiterrolle übernimmt der Verein auch bei der Arbeit im Frauen- und Mädchensport. Dass dies notwendig ist, zeigt uns ein Blick auf die von uns erhobenen Zahlen. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sind 71,8 % der Mitglieder männlich und nur 28,2 % weiblich. Damit hat der Bezirk einen deutlich niedrigeren Frauenanteil in seinen Sportvereinen. Dies wollen wir ändern.
Die Geschichte des Vereins, in dem viele Menschen gemeinsam durch gute wie schlechte Zeiten gegangen sind, verpflichtet. Der Verein zeichnet sich in seiner Arbeit vor allem durch zwei Aspekte aus:
1. Sport für alle, d.h.,
- dass junge und ältere Menschen ein Angebot finden;
- dass lebenslanger Sport möglich ist – wie auch Sport für Einsteiger;
- dass ganze Familien einzeln oder zusammen Sport treiben können;
- dass Leistungssport, Breitensport und Gesundheitssport betrieben werden kann.
2. Längerfristige Bindung an den Verein, d.h.,
- durch wechselnde, altersgerechte Spiel und Sportmöglichkeiten Kinder und Jugendliche für
- die Menschen für den Verein dauerhaft interessieren und gewinnen;
In der Kinder- und Jugendarbeit leistet der Verein seit vielen Jahren einen unverzichtbaren Beitrag zur Förderung und Entwicklung der jungen Generation. Dabei steht der Spaß und die Freude an der sportlichen Betätigung, das Miteinander immer im Vordergrund.
Ich wünsche dem Verein weiterhin viel Kraft und Erfolg bei seiner Arbeit und danke allen Mitgliedern recht herzlich für die zahlreichen Aktivitäten und Aktionen.
Sigrid Klebba





